Hallo Jo,
es muss gestern etwas in der Luft gewesen sein, ich war auch total kaputt, musste mich nach dem Karnevalsumzug erst einmal hinlegen, am Abend ging es auch direkt nach Tatort ins Bett..

Nun aber zu Deinen Fragen. Ich versuche es so kurz wie möglich zu halten, dies ist aber im Hinblick darauf, dass bei mir alles noch so frisch ist, sehr schwer

) Am letzten Freitag jährte sich meine erste Chemo. Ich war wie Du neoadjuvant behandelt, habe die gleiche Chemo wie Du bekommen, habe jetzt aber meine Brust trotzdem weg. Warum, dazu später.
1. Besorge Dir umgehend Equizym, nehme es jeden Tag wie es im Beipackzettel steht. Das Zeug lindert die Nebenwirkungen, v. a. an den Schleimhäuten. Darüber hinaus enthält Selen, wichtig in jeder Krebstherapie. Ich hatte es erst kurz vor der ersten Chemo genommen, deshalb wirkte es noch nicht so gut, aber bereits nach der zweiten Chemo hatte ich nicht mal 50% der Beschwerden, wie nach der ersten.
2. Die EC Chemo macht die Eierstöcke kaputt, bei mir setzte nach der zweiten Chemo die Regel aus. Nun bin ich in den Wechseljahren. Mit 44 ist vielleicht nicht so dramatisch, wenn Du aber noch nicht dahin willst, musst Du jetzt, vor der ersten Chemo die Spritzen zum Schutz der Eierstöcke einfordern.
3. Die Chemo ist ein Gift. Vor allem die EC musst Du schnell aus dem Körper ausspülen, also trinke bitte - am liebsten schon während der Chemo- die 24 Stunden danach viel, jede Stunde ein Glas. Mir hat es keiner gesagt, deshalb hielten sich die Nebenwirkungen gute 10 Tage!!! Und die war ich wirklich aus dem Verkehr. Als Erinnerung aus den 10 Tagen ist mir da nur geblieben, dass mir im Schlafzimmer die Sonne ins Gesicht schien. Ansonsten weiß ich nichts.
4. Die Chemo ist ein Zellgift. Der Körper reagiert wie auf jedes andere Gift: mit Brechreiz. Das passiert immer, wenn man Salzwasser in den Mund bekommt, oder irgendwas anderes Ekliges. Die Übelkeit nach der Chemo ist diese einfache Reaktion. Es gibt EMEND, was man davor und die nächsten 2 Tage nehmen kann. Ich musste nicht ein einziges Mal erbrechen. Übel war es mir aber trotzdem. Gefährlich kann es sein, wenn Du während der ersten-zweiten Chemo etwas isst. Der Körper verbindet dann das Gift mit dem gegessenen, es kann sich eine dauerhafte Abneigung entwickeln. Ich habe davon erst erfahren, als es bei mir soweit war und ich die entsprechende Broschüre in die Hände bekommen habe: mir wir übel, wenn ich an Ananas oder Wassermelone nur denke! In der 1 und 2 Chemo habe ich die Stücke (nach Empfehlung meiner Krankenschwester) gelutscht, um die Mundschleimhäute zu schützen.
Also. Aufpassen. Bei der dritten und vierten Chemo habe ich Schokolade genommen mit dem Gedanken, wenn schon Abneigung, dann wenigsten gegen einen Laster, tut nur der Figur gut

) Hat aber nicht gewirkt

Schokolade ist doch Droge für das Gehirn

Mir war aber auch nach der 3 und 4 Chemo nicht mehr übel.
5. Andere Nebenwirkungen hielten trotzdem an, vielleicht nicht immer sehr stark. Fakt ist, dass frau die Woche nach der Chemo eigentlich komplett für die Chemo reservieren muss. Etwas anderes, als nur die Grundbedürfnisse zu decken, bringt man einfach nicht zu Stande.
5. Damit man nicht so komplett kaputt ist, hilft Sport, aber nur, wenn es ohne partielle Anstrengung für nur einzelne Muskeln geht. Nordic Walken ist da sehr gut. Mit den Stöcken - wenn man das richtig macht - hält man fast alle Muskeln in Bewegung, stärkt den gesamten Körper, so dass man sich nach den Chemos besser erholt. Die Blutwerte (die von Chemo immer am Boden sind) verbessern sich auch gut.
Ich walke bis heute, fast jeden Tag 45-60 Minuten. Senkt das Rückfallrisiko um ca. 25%. Bedeutet für mich statt 47% krankheitsfreie 10-Jahre Überlebensrate sogar ca. 59%. Das hört sich doch besser an, oder

6. Tripple negativ bedeutet für die Krebszelle: Keine oder ganz wenige HER2-Wachstumsrezeptoren (wenn positiv, dann wächst das Mistvieh 10-100 mal schneller, als der negative), keine Östrogen- und keine Progesteron-Rezeptoren, d. h. die Hormone regen Deinen Krebs NICHT zum Wachstum an.
Die HER2 Negativität würde ich positiv werten - das Biest wächst langsm. Es ist doch wunderbar, wenn man kein besonderes aggresives Ding hat. Da die Chemo Zellen angreift, die sich gerade teilen, musst Du aber vielleicht damit rechenen, dass die Chemo den Krebs nicht komplett zerstört, weil nicht alle Zellen sich permanent teilen. Was aber auch nicht schlimm ist, wenn er nicht ganz verschwindet. Die Rückfallquoten unterscheiden sich da nicht gravierend. Und operiert wirst Du so oder so.
Der Ultraschal erkennt nur eine bestimmte Zelldichte, d. h. die Signale, die entweder ankommen oder nicht. Wenn es nur einzelne Zellen sind, erkennt das auch der Ultraschal nicht. Deshalb auch, wenn nach der Chemo der Ultraschal oder MRT nichts anzeigen, wird mindestens der Bereich, wo der Krebs saß, herausoperiert und pathologisch untersucht.
Mein Beispiel:
Krebs vor der Chemo: 17mm
Nach 2 Chemos: 10mm (Clip-Markierung)
Nach 8 Chemos: 7-8 mm
Der Pathologe hat aber gesagt, dass der Restkrebs insgesamt bis 14 mm groß war. Also hat der Ultraschal mindestens 6 mm nicht erkannt! Wahrscheinlich war er auch vor der Chemo nicht 17mm sondern viel größer gewesen.
Da ich insgesamt "Problembrüste" hatte, mit massid Drüsen, Zysten, Masthopathie, Fibroadenose, war es mir zu riskant, auf den Ultraschal zu vertrauen, wenn es eindeutig so schwer war, das Mistvieh zu identifizieren. Ich habe die ganze Brust entfernen lassen. Jetzt habe ich zumindest auf der rechten Seite keine Bedenken und keine Fragen mehr bei den Kontrolluntersuchungen: vielleicht Zyste, vielleicht Drüse... vielleicht Krebs.
Ich hatt aber auch einen tripple positiven, die sind nun mal sehr schwierig (deshalb auch die 47% Prognose oben).
Wegen HER2 positiv bekomme ich noch bis Ende August Herceptin, ein Mittel, das diese Wachstumsrezeptoren blockiert, SOLLEN doch noch im Körper einzelne Zellen herum irren. Dann können sie nicht mehr wie blöd wachsen und das Immunsystem kann sie killen. Aber ich glaube fest daran, dass ich nichts mehr habe.
Ich hatte auch "nur" einen von drei entnommenen WächterLK befallen gehabt. Sie haben auch bei Dir drei entnommen, vielleicht, weil das Kontrastmittel einfach bei diesen drei angekommen ist. Ob etwas befallen ist, ist nicht automatisch. Wie lange hat bei Dir das Kontrastmittel nach dem Einspritzen gebraucht, bis es erkennbar war? Je schneller, umso wahrscheinlicher, dass der LK befallen ist. Das wollen wir aber nicht hoffen.
Da aber einer befallen war, hat man mir bei der großen OP Ende August, alle übrigen entfernt - 15 Stück. Deshalb jetzt noch Probleme mit der Schulter, mit dem Arm, mit Lymphödem in der Thoraxflanke. Ist mir aber alles egal, hauptsache gesund.
Wäre Dein Krebs Hormonpositiv, würdest Du 5 Jahre nach der Chemo Antihormone schlucken müssen, um eventuellen Resten im Körper die "Nahrung" zu entziehen. Nun ist Deiner nicht positiv, also entgehen Dir ziemliche Nebenwirkungen: Wechseljahrebeschwerden, Hitzewallungen (manchmal Tsunami

, Knochenschmerzen (die nach den Chemo 5 - 8 schon alleine wegen Chemo kommen und bei mir noch nicht weg sind!) etc. Die Antihormone stehen Dir aber andererseits nicht als Prophylaxe gegen Rückfälle zur Verfügung. Nun habe ich in meiner langen Therapiezeit gelesen, dass viele Krebsarten, wenn sie nicht Hormonabhängig sind, Kohlenhydrateabhängig sind. Diese Tests werden aber nicht standardmäßig durchgeführt, warum auch immer. Ich denke aber, dass man - auch wenn man nicht sicher ist, dass es bei einem zutrifft - eine 50:50 Chance hat, dass es doch zutrifft. Kohlenhydrate einzuschränken bedeutet, den Stoffwechsel zu ändern, und das mag vielleicht Dein Krebs auch nicht.
Auch wenn meiner hormonabhängig war, habe ich auch Kohlenhydrate stark eingeschränkt. Sicher ist sicher.
So.
Stunden später..

Über die Auswirkungen und Nebenwirkungen der Chemos 5 bis 8 schreibe ich jetzt nicht, die Zeit kommt noch.
Jetzt musst Du erst die ersten 4 gut überstehen. Hoffentlich sind die Bilder für Dich jetzt etwas klarer.
Ich habe viel geschrieben, weil ich erstens weiss, dass es mir besser gegangen wäre, hätte ich mehr gewusst (wie z. B. das mit dem Trinken oder Equizym) und andererseits, wie krank und verrückt es mich gemacht hatte, als ich im Internet alles Mögliche über die tripple positiven Krebse gelesen habe. Wenn Du noch einen letzten Rat haben willst:
Finger weg vom Internet!!! Wenn Du Fragen hast, frage hier. Wenn Du etwas spezielles über Deinen Fall haben wills, frage Deinen ARZT!
Ich habe im Internet viel erfahren, ja, ich habe aber auch psychische Qualen erlebt, vor Sorge und Angst.
Ich wünsche Dir viel Kraft!!! Und am 16-ten denken wir alle an Dich und halten Dir die Daumen!
LG
Megi